In Betrieben geht es zuweilen „heiß her“; das wissen die meisten Arbeitnehmer. Doch dass an ihren Arbeitsplätzen klimabedingt die Temperaturen ins Unerträgliche steigen, ist für sie ein neues Phänomen, Hierauf müssen ihre Arbeitgeber und Führungskräfte reagieren.

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Vision Zero: Eine Arbeitswelt ohne arbeitsbedingte Erkankungen gleich welcher Art erschaffen

Auch im Bereich Gesundheitsvorsorge bzw. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) stehen die Unternehmen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Denn zum Beispiel aus neuen Formen der Zusammenarbeit und Arbeitsorganisation sowie dem Einsatz neuer Technologien erwachsen oft auch neue Faktoren, die potenziell die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden belasten.

Deshalb sollten Führungskräfte, die sich der Vision Zero– also dem Ziel, arbeitsbedingte Erkrankungen in ihrem Umfeld konsequent zu vermeiden – verpflichtet fühlen, solche Veränderungen und Entwicklungen aufmerksam beobachten und mit ihren Teams für die hieraus erwachsenden Risiken und Probleme geeignete Lösungen suchen.

 

Verflucht, an meinem Arbeitsplatz ist es extrem heiß

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Extreme Temperaturen werden auch künftig immer weider die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiteden belasten

Zu den neuen Herausforderungen zählen auch die aufgrund des Klimawandels gehäuft auftretenden Hitzewellen. Diese führen dazu, dass die Temperaturen an vielen Arbeitsstätten

  • temporär ins Unerträgliche steigen,
  • das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeitenden belasten sowie
  • ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit mindern.

Häufige Hitzefolgen sind zudem Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Erschöpfung und Gereiztheit.

Die Belastungen unterscheiden sich an den verschiedenen Arbeitsplätzen jedoch erheblich: In Büros sind zwar häufig schlecht klimatisierte Räume ein Problem; in Produktionshallen, Werkstätten sowie auf Baustellen sind die Beschäftigten jedoch häufig noch deutlich höheren Temperaturen ausgesetzt.

 

Führung beginnt mit Zuhören und Ernstnehmen

Thomas Ostfalia

Achtsamkeit und eine gute Führung zheigt sich auch in der Fähigkeit zuhören zu können

Führungskräfte, die sich dem Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden – und der Vision Zero – verpflichtet fühlen, sollten die Hitzebelastung nicht nur als ein organisatorisches Problem, sondern auch als ein gemeinsames Thema der Sicherheit, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit betrachten. Deshalb sollten sie mit ihren Mitarbeitenden eigeninitiativ in einen offenen Dialog hierüber treten. Geeignete Fragen hierfür sind:

  • Wie stark beeinträchtigen die aktuellen Temperaturen Sie und Ihre Arbeit?
  • Welche Faktoren sowie Tätigkeiten belasten Sie besonders stark?
  • Was hilft Ihnen persönlich, die Hitze besser zu ertragen?
  • Welche Maßnahmen würden Ihr Wohlbefinden steigern und Leistungsfähigkeit verbessern?
  • Welche Lösungen lassen sich kurzfristig und welche dauerhaft umsetzen?

Ein solcher Austausch signalisiert den Mitarbeitenden ein Wahrnehmen ihrer Person und Wertschätzung. Er schafft zudem die Grundlage für das gemeinsame Erarbeiten praktikabler Lösungen sowie Gegenmaßnahmen.

 

Gemeinsam tragfähige Lösungen finden, entwerfen

Nicht jede potenzielle Maßnahme eignet sich für jeden Arbeitsplatz. Deshalb empfiehlt sich ein gemeinsamer Blick darauf, welche Lösungen sowohl den Bedürfnissen der Mitarbeitenden als auch des Betriebs gerecht werden.

Mögliche Maßnahmen für Büroarbeitsplätze

In den Bürobereichen lassen sich oft bereits mit überschaubarem Aufwand deutliche Verbesserungen erzielen. Hierzu zählen:

  • das kostenlose Bereitstellen von gekühltem Trinkwasser und anderer alkoholfreier Getränke,
  • Wasserspender oder Getränkestationen in unmittelbarer Arbeitsplatznähe,
  • Ventilatoren oder mobile Klimageräte dort, wo dies technisch möglich ist,
  • wirksamer Sonnenschutz durch Jalousien, Rollläden oder Sonnenschutzfolien,
  • konsequentes Lüften in den frühen Morgenstunden,
  • das Reduzieren zusätzlicher Wärmequellen z.B. durch das Abschalten ungenutzter Geräte,
  • eine Lockerung der Bekleidungsvorgaben, soweit dies betrieblich möglich ist,
  • flexiblere Arbeitszeiten mit einem früheren Arbeitsbeginn,
  • verstärkte Homeoffice-Nutzung, sofern dort bessere Arbeitsbedingungen bestehen,
  • Verlagerung besonders anspruchsvoller Denk- und Planungsaufgaben in die kühleren Tageszeiten.

Mögliche Maßnahmen in der Produktion, in Werkstätten.

In Produktionsbereichen stehen meist teils andere Lösungen im Vordergrund:

  • zusätzliche Trinkstationen mit gekühlten Getränken,
  • regelmäßige Trinkpausen und Erinnerung an ein ausreichendes Trinken,
  • mehr Erholungspausen in gekühlten oder schattigen Bereichen,
  • mobile Kühlanlagen oder leistungsfähige Ventilationssysteme,
  • technische Abschirmung besonders heißer Maschinen,
  • Anpassung der Arbeitsabläufe und Verlagerung der Schichtzeiten in kühlere Tageszeiten,
  • früherer Schichtbeginn während der Hitzeperioden,
  • geeignete leichte Arbeitskleidung mit guter Atmungsaktivität, soweit der Arbeitsschutz dies zulässt,
  • verstärkte Beobachtung von Anzeichen einer Überhitzung sowie klare Regelungen zum Umgang mit hitzebedingten Beschwerden.

 

 Lösungen entstehen im Dialog Führungskraft-Mitarbeiter

Meist stiftet eine Kombination von Einzelmaßen den größten Nutzen. Führungskräfte sollten deshalb mit ihren Teams überlegen:

  • Welche Maßnahmen lassen sich sofort umsetzen?
  • Welche organisatorischen Veränderungen wären sinnvoll?
  • Welche Investitionen zahlen sich kurz- bzw. langfristig aus?
  • Welche Erfahrungen haben einzelne Mitarbeitende bereits gesammelt?
  • Welche Ideen können wir von anderen Unternehmen, Bereichen übernehmen?

Die Praxis zeigt: Führungskräfte, die ihre Mitarbeitenden an der Lösungssuche beteiligen, erhalten oft überraschend viele praxisnahe Vorschläge. Zudem steigt die Akzeptanz der beschlossenen Maßnahmen.

 

Die Gesundheit fördern und die Effektivität bewahren

Bei Lösungen, die gewisse Investitionen erfordern, befürchten Unternehmen oft zunächst höhere Kosten. Die Praxis im Bereich Gesundheitsvorsorge bzw. Betriebliches Gesundheitsmanagement zeigt jedoch: Vorbeugende Maßnahmen sind meist wirtschaftlich sinnvoll – speziell bei Herausforderungen wie den Hitzewellen, bei denen klar ist: Sie kommen wieder. Denn Mitarbeitende, die beispielweise ausreichend trinken, bei angenehmeren Temperaturen arbeiten und ihre Arbeitszeit flexibel den Gegebenheiten anpassen können, bleiben auch bei extremen Außentemperaturen leistungsfähiger. Zudem machen sie weniger Fehler und fallen seltener aufgrund hitzebedingter Beschwerden aus. Außerdem profilieren sich die Unternehmen durch ihre Vorsorgemaßnahmen als verantwortungsbewusste Arbeitgeber.

 

Vision Zero bedeutet auch, auf neue Risiken vorbereitet sein

 

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Positive Leadership: Ein Leben der Vision Zero zeigt sich darin, für neue (Gesundheits-)Risiken gewappnet zu sein

Die Hitzewellen aufgrund des Klimawandels zeigen exemplarisch, dass und wie sich auch die Herausforderungen im Bereich Gesundheitsvorsorge bzw. Betriebliches Gesundheitsmanagement verändern. Neue Belastungen entstehen meist schleichend und erfordern mit der Zeit immer dringlicher Lösungen. Führungskräfte, die den Vision-Zero-Gedanken leben, warten deshalb nicht, bis massive gesundheitliche Probleme auftreten. Sie suchen vielmehr frühzeitig

  • das Gespräch mit ihren Mitarbeitenden,
  • nehmen deren Bedürfnisse und Erfahrungen ernst und
  • entwickeln mit ihnen Lösungen, die die Gesundheit und Leistungsfähigkeit und -bereitschaft gleichermaßen fördern.

 

Ostfalie Elke Frank Thomas

Die Positivity Guides: u.a. Experten für Vision Zero und Positiive Leadership

Dadurch entsteht mit der Zeit in der Organisation eine Unternehmenskultur, in der Gesundheit – und ein niedriger Krankheitsstand – kein Zufall ist, sondern das Ergebnis eines kontinuierlichen Austauschs und einer gemeinsamen Verantwortungsübernahme.

Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann, Thomas Achim Werner